Du hast keine „Prioritäten“, Du hast ein Grammatikproblem.
- Christian Schöll
- 14. Feb.
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Schon mal versucht, gleichzeitig in zehn verschiedene Richtungen zu laufen? Nein? Warum versuchst du es dann in deinem Arbeitsalltag?
Es gibt eine sprachliche Wahrheit, die wir im 20. Jahrhundert erfolgreich hingerichtet haben: Das Wort Priorität. Es stammt vom lateinischen „prior“, was schlichtweg „das Erste“ bedeutet. Mathematisch gesehen gibt es davon genau eines. Ein einziges. Singular.
Dass wir heute ganz lässig von „unseren Prioritäten“ faseln, ist eigentlich ein sprachliches Verbrechen. Wer zehn Prioritäten hat, hat in Wahrheit gar keine. Er hat nur eine sehr lange Liste an Dingen, die ihn gleichermaßen überfordern.
Du bist nicht ausgebrannt, weil du zu viele Probleme hast. Du bist ausgebrannt, weil du versuchst, sie alle in derselben Sekunde zu lösen. Das Gehirn ist kein Hochleistungsprozessor, der unendlich viele Fenster gleichzeitig offen halten kann, ohne dass der Lüfter irgendwann nach Hilfe schreit.
Es gibt nur eine Priorität. Was ist das eine Ding, das heute wirklich den Unterschied macht?
Streich das „en“ am Ende des Wortes. Es existiert in deiner Welt ab sofort nicht mehr.
Löse das erste Problem. Dann das zweite. Ja, das klingt radikal simpel. Ist es auch.
Hör auf zu versuchen, „zehnmal der Erste“ zu sein. Es macht dich nicht effizient, es macht dich nur wahnsinnig.