Jeden Tag die "Krone" - oder doch die "Heute"?
- Christian Schöll
- 10. Nov.
- 1 Min. Lesezeit
Wenn du jeden Tag dieselbe Zeitung liest, glaubst du irgendwann, das sei die Wahrheit.
Nicht eine Version davon, sondern "die Wahrheit".

Im Management funktioniert das genauso.
Da wird berichtet, gefiltert, geschönt, sortiert. Nicht böswillig, nur praktisch. Jeder Satz klingt glatt, jeder Statusbericht klingt stabil, und wenn etwas wackelt, ist es „unter Beobachtung“.
Was beim Lesen der Krone oder der Heute der Algorithmus erledigt, übernehmen im Unternehmen die loyalen Mitarbeiter. Sie wissen, was dem Chef gefällt, was Stress vermeidet, was durchgeht.
Und so entsteht eine eigene Informationswelt, sauber abgeschirmt von der echten.
Der Vorstand liest täglich die Management-Ausgabe der Realität.
Mit netten Schlagzeilen, bunten Charts und einem beruhigenden Fazit am Ende: „Alles im Plan.“
Natürlich ist alles im Plan. Schließlich hat man ihn selbst geschrieben.
Das nennt man dann Führung.
Ich nenne es Wohlfühljournalismus in PowerPoint.
Der Blick von außen wäre möglich.
Aber wer will schon jemanden im Raum haben, der nicht mitklatscht, wenn die eigene Geschichte erzählt wird.
Ein externer Sparringpartner bringt keine neue Zeitung mit.
Er bringt Sauerstoff. Und manchmal auch Fragen, auf die niemand Lust hat.
Doch genau dort fängt echte Führung an.
Denn wer jeden Tag nur die Krone liest, darf sich nicht wundern, wenn die Welt irgendwann anders tickt.


